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27.09.2019

Weko bewilligt Übernahme von UPC durch Sunrise - Gut oder schlecht für die Kunden?

Gemäss Medienmitteilung von Sunrise hat die Wettbewerbskommission (WEKO) der Übernahme von UPC durch Sunrise gut geheissen. Gemäss Mitteilung wurde die Genehmigung ohne Bedingungen oder Auflagen erteilt. Derzeit lässt sich spekulieren, ob dies nun gut oder schlecht für den Wettbewerb und die Konsumenten sei.


Ein Kommentar dazu von Oliver Zadori, Telekomexperte von dschungelkompass:

Wenn es weniger Anbieter auf dem Markt gibt, wird auch die Konkurrenz kleiner. Weniger Konkurrenz verursacht weniger Wettbewerb und führt zu höheren Preisen. Dies ist eine naheliegende Schlussfolgerung. Gilt diese Annahme aber auch in der geplanten Fusion von Sunrise und UPC?

UPC hat ein eigenes Festnetz, das seit Jahren bestehende und ausgebaute TV-Netz. Sunrise hat ein eigenes Mobilfunknetz, aber kein flächendeckendes Festnetz. Folglich müssen die Festnetz-Dienste meist bei Swisscom eingekauft werden. Nach aussen sind die beiden Firmen Konkurrenten, intern aber also auch Partner. Wenn ein Kunde bei Sunrise ein Internet-Abo bestellt, am Standort aber nur das Netz von Swisscom verfügbar ist, bezahlt Sunrise der Swisscom eine «Miete» für diesen Anschluss. Es ist naheliegend, dass Swisscom diese «Miete» festlegt. Natürlich gibt es Ausnahmen, denn einige Glasfasernetze gehören nicht alleine der Swisscom, sondern auch Stadtwerken wie z.B. EWZ, EWL, usw.

Interessant sind zudem Unterschiede bei kleineren Anbietern. Beispielsweise die Internet-Anbieterin iWay macht Preisunterschiede je nach Netz. Wird ein Internet-Abo bei iWay über ein Stadtnetz bezogen, kostet es teilweise CHF 10.- weniger, als wenn der Anschluss über das Swisscom-Netz bezogen wird. Dies könnte bedeuten, dass Stadtnetze, wie z.B. EWZ oder EWL weniger für den Anschluss verlangen.

Wenn nun Sunrise viele ihrer Anschlüsse auf ihrem eigenen, neu gekauften Netz betreiben kann, entfällt die «Miete» an die Swisscom. Dies bringt zwei mögliche Änderungen mit sich. Einerseits schrumpft für die Swisscom in diesem Bereich der Umsatz, andererseits könnte Sunrise die Preise senken, da sie nicht mehr auf externe «Mietpreise» angewiesen ist. Beides führt dazu, dass Sunrise zum grösseren und ernst zu nehmenderen Konkurrenten der Swisscom wird.

Es gibt auch den Einwand, dass dieser Zusammenschluss ein Duopol bewirkt. Das kann man natürlich so sehen. Aktuell gibt es aber auch nur zwei grosse Festnetze. Das eine würde nach einer Übernahme einfach einer anderen Firma gehören. Denn mit oder ohne Fusion - derzeit gibt es zwei Anbieter, die ein umfassendes Festnetz besitzen.

Denkbar wäre es auch, dass Sunrise nach einer Übernahme ihr Festnetz auch für weitere Anbieter öffnen könnte, wie sie es seit Jahren mit dem Mobilfunknetz macht. Dies führt z.B. dazu, dass ein unlimitiertes Handy-Abo bei Sunrise oder Swisscom CHF 65.- kostet, wird es über die eigene Günstig-Marke Yallo oder Wingo bestellt, erhält man es (je nach Promo) auch für CHF 29.- oder 25.-. Und dies auf dem selben Mobilfunknetz. Allerdings muss beachtet werden, dass es sich beim TV-Netz um eine andere Technologie handelt, was für weitere Anbieter Mehrkosten verursachen und eine Hürde sein könnte.

Seit längerem ist es so, dass die günstigsten Handy-Abos meist nicht von den Netzanbietern direkt stammen, sondern von Untermarken oder eigenständigen Unternehmen, die sich in einem dieser drei Netze einmietet. Das selbe gilt auch bei den Internet-Abos.

Fazit

Ich bin mir nicht sicher, ob in diesem, mit diversen Unteranbieter und inzwischen zahlreichen Promotionen durchtränkten Markt, weniger Konkurrenz automatisch zu höheren Preisen führen wird. Wenn der Swisscom Marktanteile abgewonnen werden sollen (wie es teilweise gefordert wird), könnte dies mit einem stärkeren Konkurrenten, der ein Fest- und Mobilnetz besitzt, vielleicht erfolgreicher sein, als wenn zwei Firmen nur die halbe Infrastruktur besitzen. Denn aktuell beziehen beide dieser Firmen den fehlenden Teil vom Hauptkonkurrenten, was ihn wiederum indirekt stärkt.


Ob die Übernahme von UPC durch Sunrise tatsächlich zu Stande kommt, ist nach wie vor unklar. Die WEKO gibt grünes Licht, doch der Kaufpreis von 6.3 Milliarden Franken ist relativ hoch. Damit sich Sunrise diesen Kauf leisten kann, muss sie ihr Kapital erhöhen. Dazu wird Sunrise ihre Aktionäre zu einer ausserordentlichen Generalversammlung einladen, in der darüber abgestimmt wird. Dies wird voraussichtlich am 23. Oktober stattfinden.








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